Unzulässige Versetzung einer Banksachbearbeiterin in den Vertrieb


Aktuelle und gut begründete Entscheidung (ArbG Berlin, 35 Ca 3095/12)

Die 35. Kammer des Arbeitsgerichts Berlin hatte sich mit der Frage zu befassen, ob eine Bankarbeitnehmerin, die seit Anfang 1991 durchgängig in der Kreditabteilung als Sachbearbeiterin beschäftigt war, zukünftig als „Geschäftskundenbetreuerin (GKB)“ im Vertrieb in der Filiale eingesetzt werden darf, weil die Bank die bisherige Stelle im Zuge einer Umstrukturierung wegstrukturiert hatte.

 

Im konkreten Fall war die Mitarbeiterin der Tarifgruppe 9/11. Berufsjahr zugeordnet. Diese vergütungsmäßige Eingruppierung sollte auch im Vertrieb beibehalten werden. Dem Einsatz im Vertrieb sollte eine rund einjährige Ausbildungsphase vorgeschaltet sein.

 

Mit der Klage begehrte die Arbeitnehmerin die Feststellung, dass sie weder verpflichtet sei, auf der zugewiesenen Position im Vertrieb zu arbeiten, noch eine darauf bezogene vorgeschaltete Ausbildung zu absolvieren.

 

Das Arbeitsgericht Berlin hat die gestellten Anträge für zulässig gehalten und der Klage in vollem Umfang stattgegeben. Zur Begründung hat das Arbeitsgericht ausgeführt, dass die Bank bei der Zuweisung der neuen Tätigkeit die Interessen der Arbeitnehmerin nicht hinreichend berücksichtigt habe, die Versetzung entspreche daher nicht billigem Ermessen. im Sinne von § 106 S. 1 GewO.

 

Der Arbeitnehmerin sei die neue Tätigkeit nicht zumutbar ist, sei, dass sich die bisherige Tätigkeit im Bereich „Marktfolge“ ganz grundlegend von der Vertriebstätigkeit in der Bankfiliale unterscheide. Dies ergebe sich zum einen aus der Stellenbeschreibung der neuen Tätigkeit, in der als Hauptaufgaben eines Geschäftskundenberaters u.a. die „aktive vertriebsorientierte Ansprache aller ihm zugeordneten Kunden, Interessenten und Nichtkunden mit dem Ziel der kontinuierlichen Ertragssteigerung“ enthalten ist. Die Geschäftskundenberater der Beklagten stünden unter dem ständigen Druck, Vertriebserfolge vorzuweisen, was auch durch zur Akte gereichte E-Mails eindrucksvoll bestätigt werde,
„mit denen massiv die Einhaltung bestimmter Vertriebsvorgaben eingefordert wird.“

 

Vor diesem Hintergrund sei die Klägerin nicht verpflichtet, die ihr zugewiesene Vertriebstätigkeit auszuüben bzw. eine vorgeschaltete und auf diese Vertriebstätigkeit ausgerichtete Ausbildung zu absolvieren.

 

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